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Ranisav Jovanovic, Stürmer

Stürmer Ranisav Jovanovic, SV Sandhausen

Die Karriere eines Fußballspielers liefert für gewöhnlich genügend Stoff, um damit ein ganzes Buch zu füllen. Ein Buch über grandiose Siege und desaströse Niederlagen. Über Aufstiege und Abstiege. Heldentaten und Fehltritte. Über die Monotonie eines Trainingslagers, die Anziehungskraft ausverkaufter Stadien und den Nervenkitzel vor schicksalsträchtigen Spielen. Über stundenlange Busfahrten, schwere Verletzungen und unbequeme Interviews. Die Karriere eines Fußballspielers wäre ohne Zweifel eine Geschichte über viele Kapitel und doch ist es manchmal vor allem ein einziger, besonderer Moment, nur wenige Sekunden lang, der auf ewig in Erinnerung bleibt. Ranisav Jovanovic, Stürmer in Diensten des SV Sandhausen, ist so ein Mann für besondere Momente. Ein Gespräch über Ansichten, Einsichten und den neuen Wellness-Bereich von Partner und Saunahersteller Röger.

Schätzen Sie doch bitte Ihr Talent ein, wobei 0 ziemlich schlecht und 10 ziemlich gut ist: Vollstrecker:
Ich denke, man sieht sich selber immer schlechter, als man ist, also vielleicht eine 5,5.

Nach-hinten-Arbeiter:
Das musste ich erst lernen. Das war mir früher ziemlich egal, ist aber gerade in Sandhausen sehr wichtig geworden, deshalb gebe ich mir eine 7.

Trainingsweltmeister:
4.

Strafraumwühler:
7 bis 8.

Schauspieler:
Eine 6. Gehört zum Fußball dazu, wobei ich keine Schwalbenkönige meine. Das geht gar nicht.

Die Weltmeisterschaft 1954, das Finale in Bern, das Wunder, der Treffer von Helmut Rahn, das war zum Beispiel so ein Moment für die Ewigkeit. Wie auch der legendäre Kommentar des Radioreporters: „… aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Toooor! Toooor! Toooor!“. Oder der Moment, in dem Diego Armando Maradona 1986 bei der WM mit dem Ball am Fuß über das halbe Spielfeld läuft, die halbe englische Mannschaft umkurvt und ein Jahrhunderttor erzielt. Der Moment, in dem der FC Bayern München 1999 das Finale der Champions League gegen Manchester United durch zwei Tore in der Nachspielzeit verliert. Für Ranisav Jovanovic war es das Relegations-Spiel mit Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin 2012, die 59. Minute, das 2:1, Vorentscheidung, Ekstase, Tumulte in der Nachspielzeit, Platzsturm, Spielabbruch, Aufstieg erst nach zähen Verhandlungen vor dem Sportgericht. Der Wahnsinn.

Ein leidenschaftlicher Saunagänger sind Sie seit wann?
Ich würde sagen, das ist in meinem Fall die falsche Kategorie. Leidenschaftliche Saunagänger sind bei uns in der Mannschaft sicher andere, wie unser Torwarttrainer Daniel Ischdonat. Bei denen kann man darauf wetten, dass man sie nach dem Training oder nach Spielen in der Sauna trifft.

Also sind Sie ein echter Saunamuffel?
Das stimmt so auch nicht, weil es hieße, ich wäre zu faul, in die Sauna zu gehen oder zumindest zu bequem. Es ist gar keine bewusste Entscheidung, eher selten in die Sauna zu gehen.

Wie wäre es also mit Saunagegner?
Nein, das geht eindeutig zu weit. Es ist nicht so mein Ding, ja. Jedenfalls nicht so sehr, wie bei anderen aus der Mannschaft. Aber gleichzeitig ist mir schon bewusst, dass ich mehr in die Sauna gehen müsste, gerade jetzt, wo wir die unterschiedlichen Möglichkeiten in der Kabine haben.

Also zumindest ein heimlicher Saunafreund?
Ich weiß, wie wichtig regelmäßige Saunagänge gerade im Profisport sind.

Weil…?
… sie gesund sind. Weil sie einem gut tun. Bislang war ich eben eher der Typ für ein heißes Bad oder eine Massage, wenn es darum geht, den eigenen Körper zu schonen und zu pflegen.

Fußballspielen durch besondere Tore eine Wendung zu geben, sie auf den Kopf zu stellen, zu entscheiden – nicht jeder Stürmer besitzt diesen Instinkt, diese Präsenz, auch diesen Willen und diese Wucht, die es dafür gerade in der Schlussphase einer Partie zwingend braucht. Doch je öfter es Ranisav Jovanovic gelang, eben diese Tore zu erzielen, je mehr wurde er eben für diese Tore bewundert und gefürchtet zugleich. Weil Spiele, in denen er mitwirkt – egal, ob von der ersten Minute an oder erst kurz vor dem Abpfiff eingewechselt – allein durch seine Präsenz auf dem Platz eine ganz eigene Note und Dramatik bekommen. Weil jeder, der dabei ist – Mitspieler, Gegenspieler, Zuschauer – weiß, dass Ranisav Jovanovic immer für ein Tor gut ist. Dazu braucht er nicht in jedem Spiel treffen. Auch nicht in jedem zweiten. Es genügt, dass es jederzeit möglich ist.

Berlin, Berlin, alle zieht es nach Berlin. Kann man diesen Hype noch verstehen?
Ich bin in Berlin aufgewachsen, kenne dort fast jede Ecke und ich liebe diese Stadt. Aber ich denke, dieser Hype kommt eher von außen, von Leuten, die Berlin nicht kennen und was auch immer von der Stadt erwarten. Ich bin mir sicher, dass es coolere Städte als Berlin gibt.

Bedauerlich, dass im Fußball immer nur das Ergebnis zählt?
So ist der Sport. Es sei denn, man geht zum Eiskunstlauf oder Turmspringen, wo auch die Haltungsnoten oder der Schwierigkeitsgrad bewertet werden. Im Fußball zählt das nicht. Leider kann da die bessere Mannschaft am Ende verlieren.

Der beste Sturmpartner, den Sie jemals hatten?
Martin Harnik.

Ist dieses passive Abseits eigentlich ein Segen oder ein Fluch?
Wenn man als Stürmer weiß, wie man damit umgehen muss, ist es ein Segen. Aber für fast jede Abwehr ist es ein Fluch.

Sind Sie froh, dass Abwehrspieler keine Augen im Hinterkopf haben?
Natürlich. Aber selbst wenn würde es ihnen manchmal nicht helfen.

Natürlich spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Je länger Ranisav Jovanovic hochklassig Fußball spielt, je öfter er besondere Tore erzielt, desto mehr lebt er von seinem Ruf. Der Faktor Zeit spielt aber auch gegen ihn. Eine Fußballerkarriere ist ein begrenzter Zeitraum. Und so werden Dinge, die ihn in jungen Jahren nicht weiter interessierten, plötzlich interessant. „Ich sah damals ältere Mitspieler nach dem Training und den Spielen ins Ermüdungsbecken gehen und zur Massage und in die Sauna und dachte: ‚Das brauche ich alles nicht‘“, sagt er. „Und wenn sie mir sagten, ich solle erst einmal 30 werden, wollte ich das nicht wahr haben.“ Jetzt ist Ranisav Jovanovic 33. Ein paar Jahre will er noch auf diesem Niveau spielen. Er weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. „Man spürt mehr und mehr, welche Spuren der Profisport über die Jahre hinterlassen hat. Und man fängt an zu verstehen, warum die Mitspieler damals so viel Zeit in Regeneration investiert haben. Heute weiß ich, dass das keine vergeudete Zeit ist.“

Wie lauten Ihre goldenen Saunaregeln? Allein oder in Gesellschaft?
In Gesellschaft.

Reden oder schweigen?
Schweigen. Es ist heiß genug.

Sitzen oder liegen?
Sitzen.

Getrennte Geschlechter oder gemischt?
Gerne gemischt.

Mit oder ohne Handtuch um den Körper?
Mit Handtuch unter dem Hintern.

Stichwort Infrarotkabine.
Leider habe ich immer wieder Rückenprobleme. Leider werden sie auch nicht weniger. Deshalb wird auch die Infrarotkabine für mich ganz bestimmt ein wichtiges Thema werden.

Stichwort Tepidarium.
Ich bekomme natürlich mit, wie meine Mitspieler die unterschiedlichen Angebote in unserer Kabine nutzen. Was sie darüber sagen. Wie sie sie bewerten. Mittlerweile weiß ich, dass ich mich mit dem Thema, auch den unterschiedlichen Variationsmöglichkeiten, mehr beschäftigen muss.

Wer in der Mannschaft wäre prädestiniert, Ihnen die Welt des Saunabadens lückenlos zu erklären?
Daniel Ischdonat habe ich erwähnt. Der auf jeden Fall. Auch unser Co-Trainer Gerhard Kleppinger. Aber da gibt es noch einige in der Mannschaft, die in Sachen Sauna echte Profis sind.

Würden Sie Ihr Saunaverhalten mit Teamärzten und Physiotherapeuten absprechen?
Wenn es unter medizinischen Aspekten Sinn macht, dann schon. Wenn es etwa in der Rehabilitationsphase nach Verletzungen Sinn machen würde. Ich brauche aber niemanden, der mir sagt, du musst in die Sauna gehen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass das dem Grundgedanken von Erholung und Entspannung entsprechen würde.

Also werden Ihre Saunagänge in Zukunft mehr?
Das kann schon sein. Ich bin niemand, der sich allem, was er nicht kennt, grundsätzlich verschließt.

Sein Blick auf den Fußball muss sich verändert haben in den vergangenen Jahren. Nicht grundsätzlich. Erst recht nicht radikal. Aber man merkt Ranisav Jovanovic im Gespräch an, was man vielleicht Reife, Ruhe oder Reflexion nennen könnte. Er spricht unaufgeregt, beinahe gelassen, aber nicht beiläufig. Eher fokussiert. Engagiert. Er ist noch immer extrem ehrgeizig. Dass er nun in einer Mannschaft spielt, die nicht ihr Heil in der Offensive sucht, keinen Hurra-Stil pflegt, vor einigen Jahren hätte er das womöglich kaum akzeptiert. Jetzt sagt er, dass diese Taktik, die der Mannschaft immerhin den vorzeitigen Klassenerhalt beschert hat, „natürlich schade für einen Stürmer ist“. Aber er sagt auch, „dass man diese Rolle akzeptieren und das Beste daraus machen muss. Jedenfalls muss ich mich nicht extra motivieren, nur weil hier die Strategie eine andere ist. Auch mit einem 1:0 hast du am Ende gewonnen und das allein zählt.“ Würde es ihm nur um die persönlichen Erfolgsstatistiken gehen, „hätte ich Tennisprofi werden müssen“.

Mögen Sie das eigentlich, dieses den Gegner anlaufen?
Es macht keinen Spaß, aber es gehört dazu. Es hilft, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten.

Das unfairste Mittel, mit dem ein Abwehrspieler Sie jemals versucht hat zu stoppen?
Da gibt es leider einiges. Ich würde sagen, wenn dir jemand mit den Stollen auf den Zeh tritt, während der Schiedsrichter nicht hinsieht.

Entscheidende Tore in der Nachspielzeit zu schießen, gibt es eigentlich etwas schöneres?
Definitiv. Ich habe in meiner Karriere einige wichtige Tor kurz vor Spielschluss gemacht, aber Vater zu werden war ein noch größeres Gefühl.

Das beste Spiel eines Stürmers, das Sie jemals gesehen haben.
In letzter Zeit? Die vier Tore von Zlatan Ibrahimovic gegen Anderlecht. Sehr beeindruckend.

Schon mal im Training versucht, den Fallrückzieher aus 25 Metern von Ibrahimovic nachzumachen?
Nur aus sieben Metern und es war kein schöner Anblick.

Ranisav Jovanovic, liiert, aber nicht verheiratet, ein Kind, Vollblutstürmer, Knipser, Schreckgespenst, scheint dieses Profifußballerleben in vollen Zügen zu genießen. Er scheint es zu genießen, weil seine Karriere, die vielen Aufs und Abs, die Tore, gerade die entscheidenden, weil Lob, Kritik, Erfolgsmomente und schwere Zeiten, weil das alles Spuren hinterlassen hat und man hat nicht den Eindruck, dass er denkt, es wäre zu seinem Nachteil. Und weil er Wege gefunden hat, den Fußball Fußball sein zu lassen. Entspannung, Erholung, Ranisav Jovanovic findet das mittlerweile auf dem Golfplatz, offizielles Handicap 34,5, „aber ich habe erst ein Turnier gespielt, ich bin definitiv besser“. Seit drei, vier Jahren spielt er Golf, doch bei aller Ruhe, die er dabei findet, verlieren kann er auch dort nicht. Der einzige Vorteil zu einem Fußballspiel: „Ich muss mich nur über mich selbst ärgern.“ Ist wohl nicht so anstrengend.

Dafür, dass Sie sich jetzt nicht unbedingt als fleißiger Saunagänger geoutet haben, sind Sie auf dem Platz aber ein ganz schöner Hitzkopf.
Ich kann da nicht aus meiner Haut. Ich bin sehr lautstark auf dem Platz. Ich kann meine Mitspieler genau so gut antreiben wie anscheißen. Ich bin auch meistens der Erste, der beim Schiedsrichter ist, sich beschwert und Mitspieler in Schutz nimmt.

Schon mal im Lounge-Bereich damit geprahlt, wie einfach es ist, den entscheidenden Treffer zum Aufstieg zu schießen?
Geprahlt nicht, aber ich habe das Video herumgezeigt.

Welche Übung im Training würden Sie jederzeit gegen einen Saunagang eintauschen?
Alles, was im Wald passiert. Jede einzelne Runde, die wir dort laufen.

Jetzt mal unter uns: Wie lange wird nach einem Heimsieg noch im Wellness-Bereich von Saunahersteller Röger gefeiert?
Wir sind dann schon eine Weile dort unten, hören Musik, hin und wieder steht da auch eine Kiste Bier. Wir sind auf jeden Fall nach Siegen deutlich länger zusammen als nach Niederlagen.

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